Jugendstil

Drei mehr oder weniger leerstehende Gebäude, kaum Nachbarn, dennoch zentral gelegen und am Rande des Schlossgartens. Platz für Vereine, günstiges Übernachten, Feiern und Jugendkultur. Im mittelalterlichen Turm an der Stadtmauer könnte man ein kleines Kaffee unterbringen.

// Arnstadt braucht ein Jugendzentrum. Einfaches Übernachten, günstiges Essen, coole Musik, offen rund um die Uhr.
Geht nicht? Natürlich geht das!

(Reprint aus dem Neuen Arnstädter Anzeiger vom Juli 2017)

Um die Friedenseiche herum auf dem Pfarrhof stand einmal eine kreisrunde Bank. Dort trafen sich im Sommer gerne Jugendliche. Manchmal war es laut, manchmal räumten sie ihren Dreck nicht weg. Doch immer ging es lustig zu. Leben in der Stadt! Eines Tages war die Bank weg, seitdem sind auch die Jugendlichen weg. Die Erklärung der Stadt: Gefährlich, es könnten Äste herabfallen! Ach, ja?

Raum für Jugendliche ab 16 Jahre aufwärts? Schwierig in Arnstadt!

Jugend hat in Arnstadt keine Lobby 

Man sollte meinen, in schrumpfenden Gesellschaften würde der Jugend der Teppich ausgerollt. Klar, es gibt in Arnstadt den Kinder- und Jugendtreff an der Setze für Jugendliche bis 16 Jahre, und das Marienstift bietet Hilfe in der Offenen Jugendbetreuung in der Rosenstraße. Doch für die Altergruppe der jungen Erwachsenen sieht es mit selbstbestimmteren Angeboten eher finster aus. Die Berufsschule verliert an Bedeutung, das Gymnasium liegt am Rande der Stadt, zu wenig Jugendsozialarbeit, keine Jugendvertretung und kein Jugendbeirat, kein Kino, keine Disko, wenig passende Kneipen, kein Offenes Jugendzentrum. Der letzte Saal, in dem regelmäßig aufgelegt wurde, im Kesselbrunn, hat im April die Pforten geschlossen.

Ein Hostel für Backpacker, ein Treffpunkt für Jugendliche

Wagen wir einmal einen Blick über den Tellerrand. Die Entwicklung einer Stadt mit so viel Potential wie Arnstadt läuft nicht ohne junge Menschen, die sich engagieren. Sie läuft aber auch nicht ohne Tourismus. Vielleicht kann man einfach beides kombinieren?

Zu DDR-Zeiten war Arnstadt gefragt. Das sieht man unter anderem daran, dass die Sammlung „Mon Plaisier“ zu DDR-Zeiten noch jährlich um die 50.000 Besucher hatte – obwohl die große weite Welt als Gästepotential ausfiel. Heute sind es nicht mal die Hälfte.

Best place in town

Arnstadt würde ein Hostel gut zu Gesicht stehen – urban und bunt – für Rucksacktouristen, Schulklassen und  Studiengruppen auf den Spuren der Thüringer Residenzstädte, auf den Spuren Bachs oder sportlich orientiert gen Thüringer Wald, für Besuche aus den Partnerstädten. Ein solches zentral gelegenes Hostel – in roher, historischer oder industrieller Bausubstanz, z.B. in der ehemaligen Post in der Ritterstraße – bräuchte ein preisgünstiges, hippes gastronomischen Angebot. Selbstbedienung, auch vegetarisch und ein paar Suppen aus aller Welt. Dazu ein Bar- und Gartenbereich, Getränke aus dem Automaten – und gute Musik in allen Variationen.

Diese cantina steht allen Jugendlichen der Stadt offen, und, wenn es der Wirtschaftlichkeit nützt, vielleicht mittags auch der arbeitenden Bevölkerung der Stadt. Ziel wäre es, „the best place in town“ zu werden. Ein urbaner Ort im Dauerbetrieb, zugleich Grundlage für ein Freies Jugendzentrum für Arnstadt. Einfache und partyfeste Ausstattung, ein Minimum an Kontrolle für ein Maximum an Eigeninitiative: Disko, Konzerte, Ausstellungen, chillen und feiern. Kompetente Streetworker im  Hintergrund.

Ein Träger aus den Reihen der Wohlfahrtsverbände

Ein solches Hostel braucht einen professionellen Träger der öffentlichen Hand oder aus den Mitgliedern der Wohlfahrtsverbände. Stadt und der Kreis könnten die Rahmenbedingungen schaffen: Bereitstellung der Immobilie, Unterstützung bei der Konzeption, ideelle und finanzielle Förderung (im Rahmen der Städtebauförderung und anderer Förderprogramme). Nur eines können Stadt und Kreis nicht: Die Eigeninitiative ersetzen, die von den Jugendlichen selbst, von Schulklassen, einschlägigen Vereinen oder dem bewährten „Jugendkulturkollektiv“ kommen müsste.

Ein erster Schritt dorthin könnte ein Jugendbeirat sein.

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