Kein Scherz: Atommülldeponie ins Gera- oder Ilmtal ?

Castorenlager_1Eine neue wissenschaftliche Untersuchung schlägt neben Mühlhausen und Nordhausen auch „den Raum Arnstadt und Stadtilm“ als geeigneten Standort für atomaren Endmüll der Atomrepublik Deutschland vor. Diese Studie ist seit einem halben Jahr abgeschlossen. Erst jetzt wird die Öffentlichkeit informiert.

(Foto: Castor-Transport im Wendland 2011: verstrahlte Hochsicherheitszone / Jens Petermann)

// Die am 18. November 2015 über MDR Radio Thüringen verbreitete Nachricht schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel:

Laut einer Konzeptstudie der Universität Duisburg-Essen für ein alternatives Endlagermodell vom April diesen Jahres, die im Auftrag der Endlagersuchkommission erstellt wurde, gibt es in Thüringen angeblich mehrere geeignete und konkret genannte Standorte für ein atomares Endlager der hochtoxischen radioaktiven Abfälle aus den westdeutschen Atomkraftwerken.

Dabei betonen die Autoren stolz, dass es sich bei Ihrer Studie nicht um ein theoretisches Model handelt. Sie verweisen auf Untersuchungen, die insbesondere im Raum des Thüringer Beckens vorgenommen wurden, und schreiben:

Das regionalgeologische Untersuchungsbeispiel „Thüringer Becken“ zeigt, dass das postulierte Endlagerkonzept nicht nur ein theoretisches Konzept ist, sondern Rahmenbedingungen vorliegen, die diesem Modell entsprechen.

Bekanntermaßen sind die bisherigen Versuche der Politik gescheitert, die hochradioaktiven Abfallstoffe unter der Erdoberfläche zu verstecken. Kriterien für die mögliche Endlagerung von Atommüll sind bislang nicht verbindlich festgelegt, in den fachpolitischen Gremien der Berliner Republik versuchen Experten, sich auf die Formulierung des Textes für ein Gesetz, dass die Kriterien der Endlagersuche verbindlich beschreibt, zu einigen. Wann dieses Gesetz den Bundestag passiert und der Endlagersuche einen verbindlichen Rechtsrahmen gibt, steht in den Sternen. Der Auftrag für ein Gesetz, dass die Kriterien nach einem bestimmten Verfahren festschreibt, geht auf den Abschlussbericht des Gorleben-Untersuchungsausschusses des Bundestages 2009–2013 zurück.

Umso erstaunlicher ist, dass sich nun eine Gruppe von Duisburger Professoren dazu entschlossen hat, anhand selbst festgelegter Kriterien geeignete Standortfaktoren zu definieren und ausgerechnet am Beispiel der Geologie des Thüringer Beckens geeignete Endlagerstandorte zu benennen. Dabei gehen die Autoren davon aus, dass der Atommüll nicht wie bislang in geschlossenen massiven Salzformationen eingelagert werden muß, sondern auch darunter gelagert werden kann. Was von diesen neuen Prämissen zu halten ist, insbesondere in Bezug auf den Wasserhaushalt der Erde, müssen Fachleute klären. Die Studie kann unter https://www.bundestag.de/blob/395402/f31ce26e4e7fc8528c956bd5986fce75/kmat_42-data.pdf nachgelesen werden.

Sollen hier Fakten geschaffen werden? Soll die Bevölkerung langfristig an die Nachbarschaft der strahlenden Fracht gewöhnt werden? Die Studie von Prof. Ulrich Schreiber aus Essen erwähnt zwar gleichermaßen Regionen in Bayern, Niedersachsen und Hessen, präzise und namentlich werden jedoch nur Thüringer Städte genannt: Arnstadt, Stadtilm, Mühlhausen und Nordhausen. Nur hier haben angeblich Probebohrungen nach Kriterien dieser Studie stattgefunden. Zugleich ist vom erfüllten Suchkriterium der „geringen Bevölkerungsdichte“ die Rede. Was soll das heissen? Hier werden weniger Menschen verstrahlt als im Falle eines Endlagers im Ruhrgebiet? Hier wird der Wiederstand der Bevölkerung geringer sein als anderswo? Wie auch immer: beides zynische Gesichtspunkte bei der Suche nach einem Endlager für tausend Jahre glühenden und strahlenden Müll!

Wird Arnstadt zum Verladebahnhof für Castor-Behälter?

Wie sonst soll erklärt werden, dass ganz konkret die Region Arnstadt-Stadtilm als Standort für ein Endlager empfohlen wird, obwohl doch ergebnisoffen im gesamten Bundesgebiet gesucht werden soll?

Seit einem halben Jahr ist diese Studie abgeschlossen, erst jetzt erfährt die Öffentlichkeit mehr beiläufig davon. Das ist ein alarmierender Vorgang, der allerdings in der hiesigen Kommunalpolitik bislang kaum Reaktionen ausgelöst hat. Einzig der Bürgermeister der Nachbargemeinde Stadtilm war mit deutlich kritischem O-Ton im Thüringen-Journal zu vernehmen.

In der Stadtratssitzung vom 19.11.2015 wurde Bürgermeister Dill offensichtlich erstmals aufgrund einer Anfrage von Georg Bräutigam mit dem Bericht über ein denkbares atomares Endlager in unmittelbarer Nähe der Stadt Arnstadt konfrontiert. Auf die Frage, ob er von der Studie gelesen habe, war seine Reaktion: „Ich bin Narziss, ich lese nur Artikel über mich.“ Danke, Herr Dill, für diese offenen Worte, aber vielleicht sollten Sie dann besser nach Hause gehen und sich die Haare kämmen?

Wichtig ist nämlich, dass sich die Kommunen und Bürger der Region sofort geschlossen aufstellen und klarmachen: Nicht mit uns! Wenn die Endlagersuchkommission glaubt, mit den „dünn besiedelten“ Gebieten weniger Widerstand vorzufinden und deshalb Thüringen für geeignet hält, muss diesen Plänen eine klare Absage erteilt werden!

Eine Reaktion der Stadt steht aus. Ob Herr Dill es schafft während seiner Amtszeit dem Vorschlag für ein Atommüllager vor unserer Haustür ein klares STOP entgegenzusetzen, darf bezweifelt werden. Bekanntermaßen gehört er, um im Duktus des Themas zu bleiben, nicht zu den „schnellen Brütern“.

Insofern bekommt mit der Perspektive, dass unsere Region offensichtlich einen Abwehrkampf gegen solche Pläne führen muss, der Abwahlantrag gegen Dill eine völlig neue Dimension: die Bürgerinnen und Bürger werden auch darüber abstimmen, wie entschlossen sich Arnstadt diesen Wahnsinnsplänen entgegenstellt, die die kulturelle, wirtschaftliche und touristische Zerstörung unserer Region zur Folge hätten.

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