Initiative Innenstadt!

Die Inbesitznahme des öffentlichen Raumes wie des Marktplatzes ist eines der Geheimnisse lebendiger Innenstädte. Kinder und Familien spielen dabei eine wichtige Rolle

// Plätze sind seit Jahrtausenden der Inbegriff des städtischen Lebens: Marktplatz, Nachrichtenbörse, Fest- und  Spielplatz, Flaniermeile und Bühne. Arnstadt hat die Voraussetzungen dafür. Was es aber vor allem braucht ist Eigeninitiative – und einen Tisch, an den sich alle Beteiligten zusammensetzen

(Reprint aus dem Neuen Arnstädter Anzeiger vom Juli 2017)

Nicht nur in Arnstadt, in ganz Europa erleben kleine Städte das gleiche: der öffentliche Raum verwaist. Geänderte Gewohnheiten, digitaler Handel, schnelle Straßen, das Einkaufen auf der Grünen Wiese, ein Gymnasium am Stadtrand oder die Attraktivität der Großstädte – es sind viele Gründe, die Arnstadts schöne Plätze zunehmend menschenleer machen.

Abhilfe aber kann nicht allein von oben kommen, eine lebendige Innenstadt bedarf auch bürgerlichen Engagements. Eigeninitiative. Mut. Als Leerstandsproblem ist das Thema in der Öffentlichkeit, der Stadt und den betroffenen Verbänden angekommen. Der Stadtrat hatte schon vor zwei Jahren die Einstellung eines Citymanagers beschlossen. Dazu kam es jedoch nicht, weil auch hier nach der Devise „Haushaltskonsolidierung durch Fördermittelverzicht“ gehandelt wurde. In diesen zwei Jahren ist die Erosion weiter fortgeschritten. Doch auch mit Citymanager stellt sich die Frage: Was kann dieser eigentlich bewirken? Immer wieder wird der Ruf laut: Die Stadt oder der Stadtrat müsse eine Lösung herbeiführen. Aber das kann nicht klappen.

Denn es sind die Menschen, die in einer Stadt leben, wir alle, die diesen Raum gestalten, nutzen oder meiden. Die Stadtverwaltung oder irgendwer dort oben kann gute Rahmenbedingungen und Impulse setzen und finanzielle Unterstützung. Den Rest aber müssen wir schon selber tun!

EigenInitiative Innenstadt!

Bei der komplexen Frage Innenstadtbelebung und den vielen Akteuren braucht es eine Initiative, einen Beirat, der alle zusammenbringt: HändlerInnen, Gastronomen und Verwaltung, Bibliothek, Museum, Musikschule und Vereine.

Dieses Gremium könnte mit dem Citymanager und externen Fachleuten eine Bestandsaufnahme der Schwächen und Stärken und eine Handlungsperspektive erarbeiten. Aus diesem Gremium heraus kann sich auch eine Gruppe von Akteuren finden, die versuchen wird, neue Ideen in Taten umzusetzen. Stirbt der Handel, stirbt die Stadt Dieses Gremium sollte auch prüfen, ob an der Verödung der Innenstadt zuwenig Parkplätze schuld sind, wie manche glauben.

Wir sind überzeugt: Wiedereröffnung für den Verkehr wäre das endgültige Aus für Arnstadt. Abhilfe kann auch nicht bringen, an den Rändern der Innenstadt leerstehende Ladengeschäfte in Wohnraum umzuwandeln! Denn jede lebendige Stadt ist vor allem auf eine gesunde Durchmischung angewiesen – mit Wohnen, Handel, Schulen, Freizeit, Handwerk, Gastronomie. Und für die, die von Außen kommen, braucht es günstige Parkplätze. Eine nachhaltige Belebung der Innenstadt kann nur von der Seite der Angebote her kommen: Geschäfte, die anbieten, was es nicht bei Amazon und Kaufland gibt, Kunst und Kunsthandwerk, Atmosphäre und Flair, einfaches und gutes Essen, Willkommensfeste für Zugezogene und Mitarbeiter des Erfurter Kreuzes, Maibaum mit Biergarten auf dem Markt, Bach-Advent, Jazz-Festival, Lange Nacht der Galerien, Tag der Offenen Türme, Bach-Festival und Bach:Sommer mit Essensangeboten nach den Konzerten bis um 23:00 Uhr, kombiniert mit verkaufsoffenen Sonntagen.

Mehr gute Angebote

Die Aufgabe der Verwaltung: Wo sich Initiativen entwickeln, diese zu unterstützen. Die Summen, die hier benötigt werden, sind relativ gering und gut investiert – in die Zukunft unserer Stadt. Die Frage ist doch letztlich: Was suchen junge Menschen und Familien heute, die raus wollen aus den unbezahlbaren Metropolen, die bereit sind, einen Umzug in eine schöne  leinstadt zu erwägen? Vieles davon ist bereits vorhanden in Arnstadt, aber anderes eben noch nicht. Es gilt, Ziele zu definieren und Initiativen zu förden. Nicht mehr und nicht weniger.

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2 Gedanken zu “Initiative Innenstadt!

  1. Liebe Arnstädter,

    in der letzten Zeit verfolge ich viel der aktuellen Berichterstattung über Arnstadt, vor allem Blogs und lokale Nachrichten. Wir sind eine junge Familie, die in Kürze aus Berlin nach Arnstadt ziehen wird.

    Unser eigentliches Ziel war Erfurt – schnell merkten wir aber, vor allem bei Wohnungsbesichtigungen, dass wir mit einem Wechsel nach Erfurt die „erdrückende Großstadt“ nicht hinter uns lassen, sondern eben in genau die gleiche Situation wechseln.

    Also ist es Arnstadt geworden.

    Wir waren nicht oft hier, haben die Stadt 3 oder 4 mal gesehen, die Nähe zu Erfurt war zunächst ausschlaggebend. Doch nach vielen Telefonaten mit Ämtern, Arnstädtern eben, ist uns bewusst geworden, was für ein Juwel wir gefunden haben.

    Die Berichterstattung zum Sterben der Innenstadt trübt natürlich die Aussicht ein wenig. Wir hoffen dennoch viele lokale Initiativen zu finden, die uns die Wahl nicht bereuen lassen. Arnstadt ist wunderschön; befindet sich entwicklungstechnisch vielleicht aktuell in einem Tal.

    Ich denke, dass vor allem steigende Mieten im nahegelegenen Erfurt viele junge Familien nach Arnstadt kommen lassen, vor allem wegen des bezahlbaren Wohnraums, aber auch wegen der Ruhe gegenüber dem Trubel einer Großstadt.

    Als geborener Schweriner habe ich ähnliche Diskussionen bereits in meiner Heimatstadt verfolgen können. Auch dort wurde die Innenstadt für tot erklärt. Langsam kehren aber die jungen Familien zurück, kommen neue Familien hinzu und die Altstadt erlebt einen wunderbaren Aufschwung. Immer mehr individuelle Läden und Cafés siedeln sich an.

    Gute Aussichten für Arnstadt also.

    • Lieber Herr Kranholdt,
      zuerstmal herzlich willkommen! Wir stellen erstaunt fest, dass in letzter Zeit viele Familien auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe an Erfurt scheitern und schließlich in Arnstadt landen! Das ist sehr erfreulich, zeigt es doch dass Arnstadt ein Potenzial hat, dass insbesondere für Metropolen-Flüchtlinge attraktiv ist.
      Das Ladensterben ist wie überall eine Melange aus lokalen Fehlern, dem Internet und der demoskopischen Entwicklung, aber die Lösungen gibt es. Gerade jene, die aus den großen Städten kommen, wissen wie attraktiv historische Quartiere auch dort, wo man etwas laufen muss, werden können, wenn das Angebot stimmt! Drum freuen wir uns über jeden Zuzug doppelt: einmal weil jeder neue Bürger die Stadt stärkt, aber auch weil jeder neue Erfahrungen und meistens auch frisches Engagement mitbringt! Jan Kobel für arnstadt-wohin.de

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