Frischer Blick auf Arnstadts Schätze

BQ1A9880Es ist ein neues Buch erschienen über das Arnstädter Schlossmuseum und seine Sammlungen, in einer kleinen Auflage in einer kleinen Edition, welches aber gerade deshalb umso mehr Lob verdient für die herausragende Qualität von Ausstattung, Text, Fotografie und Druck.

Es präsentiert sich sehr schlicht, ganz ohne Fotografie im Titel, mit einer rein typografischen Gestaltung: Schloßmuseum zu Arnstadt steht in kleinen gelben Lettern auf dem dunkelrotem Grund des Umschlags, was dem Leser einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch signalisiert. Zugleich ist das Buch keineswegs trocken, sondern umfangreich bebildert mit zahlreichen neu aufgenommenen sehr schönen Fotografien.

Kurze, gute geschriebene Texte führen ein in die Geschichte der Schwarzburger, die Sammlung Mon Plaisir, das Porzellankabinett und die Tapisserien, in diese erstaunliche und unterschätzte Wunderkammer, und gleich zweimal heben die Autoren dabei auf eine kulturgeschichtliche Sonderstellung Thüringens ab, indem sie schreiben:

BQ1A9870Der Sammelleidenschaft des mitteldeutschen Adels verdankt die Nachwelt heute eine überaus reiche kulturelle Hinterlassenschaft. In Thüringen ist dieses großes Erbe besonders weit verstreut. Auf dem Gebiet dieses Bundeslandes wetteiferten bis zu zwei Dutzend Duodezherrscher erfolgreich in Ihrer Prachtentfaltung. Sie bauten repräsentative Schlösser und legten wertvolle Kunstsammlungen an.

Es ist erfrischend zu sehen, mit welchem liebevollem Augenmerk sich die Edition Logika aus München den Schätzen des Schlossmuseum zu Arnstadt, der Heidecksburg in Rudolstadt oder der Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz, die in früheren Bänden vorgestellt wurden, widmet: Großartigen Schätzen jenseits der Wartburg, jenseits von Erfurt oder Weimar – den sogenannten „Leuchttürmen“, wie die Thüringer Tourismus GmbH die touristischen Ziele nennt, deren Ruf zu mehren sie sich unter weitgehender Ausblendung des restlichen Thüringens auf die Fahnen geschrieben hat.

Diese Edition ist umso erfreulicher, als die Thüringer Residenzstädte und ihre Geschichte dem Westen lange aus dem Blick entschwunden und dem Osten – als feudale Vergangenheit – lange anrüchig waren.

Thüringens Reichtum liegt in der kulturellen Vielfalt eben dieser Residenzstädte, von Sondershausen bis Gera, ihren Architekturen, den Stadt- und Parkanlagen, ihren Theatern und Orchestern, Museen, Sammlungen und Archiven, die immer stärker in den Fokus einer interessierten internationalen Öffentlichkeit rücken. Auch in den Fokus einer wissenschaftlichen Öffentlichkeit, wie dieses Jahr an der internationalen Begeisterung für das einzigartige perlenverzierte Schmelzzimmer im Arnstädter Neuen Palais, dem Schlossmuseum, zu erfahren war. Hier wird sich die Wissenschaft als Wegbereiter erweisen für einen breiten Kulturtourismus auf den Spuren der mitteldeutschen Kleinstaaterei.

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Chinesischer Re-Import: bauhaus-Becher mit Signaturen der Idole Feininger, Klee, Itten etc.

Man kann in Thüringen wunderbar Wandern und Radfahren, Baumwipfel erkunden und Bratwürste essen, das eigentliche touristische Potential dieses Landes jedoch liegt in der kulturellen Dichte seiner barocken Schätze. Hier liegt das Alleinstellungsmerkmal, das wir alle noch stärker kommunizieren müssen, und das insbesondere für Städte wie Arnstadt zu einem Wirtschaftsfaktor werden kann und muss.

Tourismus in Thüringen ist Kulturtourismus. Hier liegt dessen Zukunft. Das Bedürfnis der Deutschen, sich ihrer Geschichte zu besinnen und diese – im wahrsten Sinne des Wortes – zu begreifen, wächst von Jahr zu Jahr. Und nicht nur das der Deutschen. International bis nach China ist deutsche Kulturgeschichte von Cranach über Bach und Goethe bis zum Bauhaus ein Objekt der Neugierde,  Bewunderung und Sehnsucht: Soeben aus China zurückgekehrte Freunde berichteten uns erstaunt von dem Ausmaß des dortigen Interesses an deutscher Kultur und brachten uns als Beleg zwei chinesische Bauhaus-Becher aus Guangchou mit. Thüringen ist das Herzland der deutschen Kulturgeschichte, und Arnstadt mitten darin.

Danke! Edition Logika, Danke! Horst Heinz Grimm und Antje Vanhoeven für dieses wunderbare und wegweisende Buch, erhältlich im Museumsshop des Schlossmuseums zu Arnstadt für 12,90 €.

Auch für Kenner des Mon Plaisir bietet das Buch ungewohnte Details in ungewohntem Lichte

Nahaufnahmen der Sammlung Mon Plaisir zeigen Details in neuem Licht

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Alle abgebildeten Exponate sind präzise erläutert. Man lernt nicht zuletzt viel über China.

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Der „Wassertropfer“  …

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… und die Erläuterung

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Ein Gedanke zu “Frischer Blick auf Arnstadts Schätze

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