Neustart für Arnstadt / Teil 2: Arnstadt braucht ein Parkhaus – aber bitte ein schönes!

// Wildes Parken auf dem Markt: es ist Freitag um zwei – da kommt keiner mehr vorbei...//

Ein Blick in die Welt zeigt uns: der so gerne beschworene Widerspruch von einer schönen verkehrsberuhigten historischen Innenstadt einerseits und dem Bedürfnis nach kurzen Wegen vom Auto zum Bäcker andrerseits muss keiner sein! Die Antwort sind gut gestaltete moderne Parkhäuser, die zu besuchen Spaß macht. Keine niedrigen, engen und dunklen Abstellkisten, sondern sonnige, geräumige und gut gestaltete Architekturen, die dazu einladen hineinzufahren. Überall auf der Welt suchen Architekten und Stadtplaner nach solchen architektonischen Lösungen. Wir präsentieren hier zwei:

Zum einen ein Parkhaus im orientalischen Stil im holländischen Zwolle, geplant von Dok Architecten aus Amsterdam:

Ein Gebäude, das neugierig macht und den Begriff Parkhaus neu definiert. Die Fußgänger kommen und gehen von außen über eine großzügige Freitreppe in die oberen Geschosse bzw. in die Stadt und können dabei die Blicke auf diese geniessen. Die Fassadengestaltung erinnert an orientalische Lehmbauten und wirkt zugleich modern-sachlich als auch lebhaft und bewegt. Das Spiel mit den Ornamenten und Luken zieht die Blicke an und löst vielfache Assoziationen aus.

Ein anderes Beispiel überzeugender Parkhaus-Architektur ist das sog. Widmi-Building in Lenzburg / Schweiz, geplant vom Büro Andre Meier / am-architektur:

 

Hier lacht die Sonne. Parken in Lenzburg in der Schweiz. Foto: Michael Haug. Quelle: http://www.michaelhaug.ch/lenzburg_widmi. Architekten: https://www.am-architektur.ch/

Ein Parkhaus mit einem zentralem Lichtschacht, der von oben die Sonne lachen und von unten die Bäume wachsen läßt, kostet natürlich Stellplätze, erhöht aber die Aktzeptanz erheblich, es auch zu benutzen! Hier gilt und zeigt sich deutlich, was für alle gute Architektur gelten sollte: Maximale Rendite muss ein städteplanerisches Tabu sein, denn sie ist ein k.o.-Kriterium für Architektur, die die Menschen annehmen, nutzen und mögen.

Die Stadt Arnstadt braucht ein zentrales Parkhaus, vor allem auch angesichts der sich entwickelnden Verkehrskatastrophe zwischen dem REWE, dessen Parkplatz jetzt schon zu klein ist, und dem soeben entstehenden gegenüberliegenden Einkaufszentrum „Muhmengasse“, das ohne einen einzigen zusätzlichen öffentlichen Parkplatz genehmigt wurde. Die sinnvollste Lösung ist vermutlich, auf dem alten Friedhof, heute bereits öffentlicher Parkplatz, ein Parkhaus zu errichten. Dieses läge zentrumsnah und würde zugleich die Turnvater-Jahn-Straße spürbar entlasten.

Aber Arnstadt braucht ein Parkhaus, das mehr ist als ein durchschnittlich gelungener Zweckbau. Eine Architektur, die sich auf ihren historischen Bestand in der Nachbarschaft bezieht, insbesondere auf das Oktagon der katholischen Kirche, und die in Form, Fassade, Material und Farbe an die Bautraditionen unserer Stadt anknüpft, vielleicht durch eine Fassadengestaltung mit Holz.

Dieses erste Parkhaus in der Arnstadter Innenstadt sollte ein Hingucker werden. Der Weg dorthin kann nur über einen ausgeschriebenen Wettbewerb gehen, der die besten Ideen sammelt und mit der Bürgerschaft diskutiert, in einem offenen und transparenten Prozess.

 

 

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