TA-watch 15: Vom Vergnügen, zu intriegieren und zu spalten
TA vom 27. April 2018

Es ist immer schön, in der Zeitung zu lesen, was in Arnstadt angeblich geschah – und man gleichzeitig als Subjekt des Geschehens weiß, dass es sich anders zugetragen hat. Dachten wir erst, man könne diesen Wahlkampf ohne TA-watch auskommen, wurden wir jetzt eines Besseren belehrt.

von Judith Rüber

Unter der Überschrift „Wer zieht in das Arnstädter Rathaus ein“ schreibt Brit Mandler in der Ausgabe vom 27. April 2018 über Wahlempfehlungen und Befindlichkeiten der Kandidaten und Fraktionen. CDU und Pro Arnstadt unterstützen ihren gemeinsamen Kandidaten Frank Spilling, dem vorgeworfen wird, sich nicht deutlich genug von der AfD distanziert zu haben. Hierzu schreibt Britt Mandler:

„Daher könne man nur Amtsinhaber Alexander Dill unterstützen“, betont zum Beispiel Linke-Stadtrat Alexander Basner. Einige andere Mitglieder seiner Partei sehen das genauso. Doch gibt es auch ein Gegenlager, das klar und deutlich sagt: „Dill muss weg.“ Der Amtsinhaber zeige deutliche Defizite, man traue ihm nicht zu, die Stadt voranzubringen, sagt(!) die Stadtverbandsvorsitzende Judith Rüber.“

Ein wörtliches Zitat ohne Quellenangabe: „Dill muss weg„. Wer hat das gesagt? Jemand vom Stadtverband? Jemand aus der Fraktion? Mir, die ich im nächsten Satz in indirekter Rede zitiert werde, wird es in die Schuhe geschoben. Ich habe jedoch gegenüber Frau Mandler gar nichts gesagt. Denn gesprochen hat sie mit mir nicht, obwohl ich es mit Versenden der Pressemitteilung des Stadtverbandes und der Fraktion DIE LINKE. Arnstadt angeboten hatte. Alles was Mandler von mir zitiert, sind Versatzstücke einer Pressemitteilung, die in Teilen mir in den Mund geschoben wird, als handele es sich um meine Privatmeinung. Das genau ist Mandlers Absicht und keine Nachlässigkeit. Denn sie schreibt weiter:

„Sie (Rüber) rief die Mitglieder zusammen, um über eine Wahlempfehlung abzustimmen. Votum: Es gibt keine. So, wie Rüber ihre(!) Pressemitteilung formuliert, ist aber doch eine ganz deutliche Empfehlung pro Spilling und eine ebenso deutliche Abneigung gegen Dill herauszulesen.“

Die Pressemitteilung war eine gemeinsame Pressemitteilung des Vorstands des Stadtverbandes und der Fraktion, ich bin Vorsitzende dieses Vorstandes, aber nicht das allein handelnde Subjekt und im Fall dieser Pressemitteilung nicht einmal die Autorin. Falsch ist also: „Sie rief die Mitglieder zusammen …“ Nein, der Vorstand rief die Mitglieder zusammen. An Stelle von: „So, wie Rüber ihre(!) Pressemitteilung formuliert …“ hätte es heißen müssen: „So, wie Vorstand und die Fraktion der LINKEN in der Pressemitteilung schreiben …“

Mit dieser Argumentationsfigur wird aus einer Mitgliederversammlung und gemeinsamen Pressemitteilung ein subjektives Rüber’sches Anliegen, und aus politischer Kritik persönliche Abneigung: „Neben der deutlichen Empfehlung für Spilling eine ebenso deutliche Abneigung gegen Dill.“

Britt Mandler weiß worauf sie raus möchte. Sie schreibt:

„Was wiederum andere Stadtratsfraktionen irritierte, die erst am Dienstagabend mit Frank Kuschel und Thomas Schneider (beide Linke) zusammensaßen und darüber berieten, wie es nach der Wahl im Stadtrat weitergehen soll.“

Frau Mandler schreckt auch vor Falschmeldungen nicht zurück. Denn andere Stadtratsfraktionen saßen NICHT mit Kuschel und Schneider zusammen und berieten. NEIN, Kuschel und Schneider überbrachten bei einer fünfminütigen Stippvisite den Fraktionen Bürgerprojekt und SPD persönlich die Nachricht, dass eine ursprünglich geplante gemeinsame Fraktionssitzung mit der LINKEN nicht stattfinden könne!

Was war passiert? In einem geeinsamen Gespräch mit Alexander Dill und Markus Tempes war die Stadtratsfraktion DIE LINKE mit beiden zwar übereingekommen, dass DIE LINKE die Kandidatur von Alexander Dill nicht unterstützen werde, hatte aber mit Markus Tempes, dem Fraktionsvorsitzenden des Bürgerprojekts, vereinbart, dass sich vor der Wahl die beiden Fraktionen und bei Interesse auch die SPD zu einer gemeinsamen Fraktionssitzung treffen, um abzustimmen, was sie bei einer etwaigen zweiten Amtszeit von Dill erwarten würden. Markus Tempes und ich haben in einem langen, guten Gespräch eine Agenda abgestimmt, Christian Hühn von der SPD hat diese umfänglich ergänzt.

VOR diesem gemeinsamen vereinbarten Termin gab die SPD entgegen der gemeinsamen Absprache und ohne Rücksprache mit uns ihre Unterstützung für Alexander Dill bekannt. Damit war dem Termin hinfällig, wie der Vorstand der LINKEN einstimmig beschloss.

Ein gemeinsamer Termin der drei Fraktionen fand entgegen Britt Mandlers Behauptung nicht statt.

Das zarte Pflänzchen Gemeinsamkeit der drei Fraktionen SPD, LINKE und Bürgerprojekt, zu dem sich im weiteren Eleonore  Mühlbauer äußern durfte, ist also von der SPD zertreten worden. Britt Mandler aber erzeugt geschickt den Anschein, dass das meine, Judith Rübers, Absicht gewesen sei. Sie verstärkt diesen Eindruck durch ein Zitat von Frau Mühlbauer:“Sie (Mühlbauer) verbarg ihre Skepsis allerdings angesichts der jüngsten Äußerungen nicht.“ Auf welche Äußerungen hier Bezug genommen wird, ist im TA-Artikel nicht ersichtlich. Worauf es Britt Mandler ankommt, ist das hässliche Bild: Rüber pflegt ihre Abneigung, Rüber spaltet die Fraktion, Rüber irritiert andere Fraktionen, Rüber erzeugt Skepsis.

Für das, was Frau Mandler mit diesem Artikel inszeniert, gibt es einen klaren Begriff: journalistische Intrige.

Offensichtlich wurde die halbe Stadt für den Artikel der Britt Mandler interviewt, diejenige jedoch, die den Haupgegenstand ihrer journalistischen Intrige abgibt, natürlich nicht. Mit mir hat Frau Mandler nicht gesprochen. Statt dessen kommen im letzten Drittel des Artikels nur Dill-Unterstützer zu Wort, die all das, was der Stadtrat jahrelang Dill abtrotzen musste, einmal mehr fälschlich als dessen Verdienst darstellen. Ein besonders perfides Stück Hofberichterstattung der Thüringer Allgemeinen. Chapeau, Frau Mandler.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter anderem über die Wahlempfelung DER LINKEN. Arnstadt. Was wiederum andere Stadtratsfraktionen irritierte, die erst am Dienstagabend mit Frank Kuschel und Thomas Schneider (beide Linke) zusammensaßen und darüber berieten, wie es nach der Wahl im Stadtrat weitergehen soll.

 

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